| Der Erfinder der Schellackplatte war Emil Berliner. Er kaufte das Material Schellack als fertiges Produkt von der "Duranoid Company, Newark, New Jersey" ein und ersetzte die damals gebräuchlichen Tonträger wie Walze und Zinkplatte durch ein Material, das aus feinstem Schiefermehl, Rußstaub und Schellack bestand. Das große Plus der neuen Schellackplatte bestand darin, dass sie sehr leicht vervielfältigt werden konnte. |
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| Von nun an war
es möglich, Schallplatten in beliebiger Stückzahl zu pressen. Der Schellack ist eine harzige Substanz, die von Insekten (Coccus lacca) auf ostindischen Pflanzen (meist Ficus religiosa) produziert wird. Der rote Rohstoff wird durch Auswaschen und Umschmelzen gereinigt und eignet sich hervorragend für Lacke, Firnisse und Schallplatten. |
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Neben der Aufzeichnung von Stimmen (Hörprobe:
Kaiser Wilhelm II. 1904) wurde die Schellackplatte hauptsächlich zur
Musikaufnahme benutzt. |
| Neben der englischen
Grammophone Company und dem amerikanischen Victor Label war die deutsche Firma
Odeon einer der Hauptakteure auf dem internationalen Plattenmarkt. Überbleibsel des ersten Weltmusik-Booms, der Anfang unseres Jahrhunderts Europa erfasste, sind die alten, zerkratzten Hawaii-Scheiben (Hörprobe: Ben Hokea - Hawaiian nights aus dem Jahre 1920), die man heute gelegentlich auf Flohmärkten findet. Der Tango bildete die Vorhut. |
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| 1907 erreichte er über Nizza die europäischen Metropolen. In Paris, Madrid und Barcelona schwappte eine Welle der Begeisterung hoch. Aber auch in Berlin tanzte man zu den lasziven Rhythmen aus Buenos Aires, und zwar im Takt der Originalorchester, die für Tourneen nach Europa kamen und hier sogar Platteneinspielungen machten. Diese Schellacks öffneten der Plattenindustrie die Augen für die Absatzchancen "exotischer Klänge" vor der eigenen Haustür. | |
| Die Schellackschallplatte,
die letztlich in der ganzen Welt produziert wurde, bekam ihren ersten
großen kommerziellen Schub durch den Tenor Enrico
Caruso, der ab 1902 Platten besungen hatte. Jeder wollte diesen Star
zu Hause haben und seine Stimme auf dem Grammophonen wiedergeben. Als im Jahre 1952 der ungarisch-amerikanische Physiker Peter Carl Goldmark die Vinyl-Schallplatte erfand, verschwand die Schellackplatte nach und nach vom Markt. Die letzte Schellackplatte wurde in Deutschland im Jahre 1958 verkauft. Die Vinylschallplatten hatten nicht den Vorteil der wesentlich besseren Tonqualität, sondern waren auch nahezu unzerbrechlich. Eine Schellackschallplatte durfte man nicht fallen lassen. Sie zerbrach meistens sofort. |
| Heute bilden die alten Schellackplatten ein musikalisches Gedächtnis, das zum Nachdenken und oft auch zum Schmunzeln anregt. Einige der frühen Schellacks gelten heute als absolute Raritäten, von denen in manchen Fällen nur noch ein einziges Exemplar existiert. Auf den Sammlerbörsen und Auktionen erzielen solche Unikate oft astronomische Preise. Vor allem seltene Bluesplatten aus den 20er und 30er Jahren stehen hoch im Kurs. |
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| Zu Spitzenpreisen werden etwa die Einspielungen des legendären Delta-Sängers Robert Johnson gehandelt, die einst Flops waren und deshalb nur in kleinen Auflagen gepresst wurden. Bei einer Versteigerung in den USA wechselte 1999 ein Exemplar von Robert Johnsons Aufnahme "Hellhound on my trail" für umgerechnet etwa 4500 EUR den Besitzer. | |
| In den letzten Jahren hat die Zahl der Schellack-Wiederveröffentlichungen explosionsartig zugenommen. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht eine oder mehrere CDs mit historischem Material erscheinen. Für die Weltmusik-Szene bieten die wiederveröffentlichten Schellacks die Chance, zu den Wurzeln bestimmter Stile vorzustoßen, die man nur in ihrer modernen Fassung kennt. Das Rauschen und Kratzen der alten Scheiben verleiht den alten Aufnahmen jedoch einen Charme, den digitalisierte Aufnahmen nicht wiedergeben können (Hörprobe: Wenn im Sommer die Rosen blüh´n vom Otto Dobbrindt Tanzorchester aus dem Jahre 1929). |
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